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Samstag, 5. April 2014

CIAO DE:BUG

Mal wieder stirbt ein Print-Format im Zuge der digitalen Revolution.

Wo ich für gewöhnlich nicht wirklich traurig bin, empfinde ich in diesem Falle Wehmut. Erfrischend anders sahen die Redakteure von DE:BUG unsere Gesellschaft und deren Perspektiven; erkannten Strömungen und Tendenzen oft weitaus früher und analysierten von einem ganz speziellen Standpunkt aus, den so kein anderes, mir bekanntes Format einnimmt.

DE:BUG war in Fragen gesellschaftlicher Tendenzen oft Trendsetter lang vor der Mainstream-Presse - übte Kritik wo andere nur Fortschritt sahen und scheiterte letztendlich auch am eigenen Anspruch und der Erkenntnis, dass die Dinge momentan nicht besser werden - gesellschaftlich wie musikalisch.

Das waren auch die Themengebiete, die DE:BUG vereinte. Zu guter letzt schwang in jeder Ausgabe eine gehörige Portion Kulturpessimismus zwischen den Zeilen. Schon verständlich, wenn man bedenkt, dass die Redakteure - heute allesamt in den Mit-Dreissigern oder schon drüber, die Hochzeiten der digitalen Revolution mitgenommen hatten, ja aus dem vollen Geschöpft haben und deren langsamen Niedergang - zumindest aus kultureller Sicht - zu dokumentieren haben.

Und nicht nur das: Viele Menschen, die DE:BUG zu dem gemacht haben was es ist, haben den letzten großen Kulturschock, nämlich TECHNO, in den Neunziger Jahren quasi miterfunden. Nicht verwunderlich, dass man sich, entsetzt ob der Entwicklung einer ursprünglich offenen, heterogenen und zukunftsorientierten ("WE ARE FUTURE") Bewegung angewidert abgewendet hat, als immer deutlicher wurde, dass auch diese Kulturform von den Vermarktern zu anspruchsloser Popkultur auf dem Niveau von RTL II heruntergewirtschaftet wurde und nichtmal das Gros der Künstler einen weitergehenden Anspruch an den Tag legt als schnellen Fame einzufahren, was dem Ursprungsgedanken dieser Kultur diametral entgegensteht.

Im Blogeintrag auf der Website des Magazins, in dem das Aus mit der kommenden Ausgabe verkündet wurde, kamen von Kommentatoren unter anderem Vorwürfe, DE:BUG hätte sich thematisch nicht mehr mit aktuellen, kulturellen Strömungen auseinandergesetzt und sei im Jahre 2001 stehen geblieben. Die Reaktion auf diese Anschuldigung folgt vom User doctor cox  promt und messerscharf:
"minimal? gab’s schon in den neunzigern in geil. house/deep house? dito.“deep house” (also der ganze rotz, der dieser tage ignoranterweise unter diesem label verramscht wird)? kann man getrost links liegen lassen. techno, revitalisiert von diesem gewissen berliner club? orientiert sich, wenn gut, auch an neunzigerstandards und ist abgesehen davon inzwischen auch in weiten teilen furchtbar formelhaft. all die grad so schwer angesagten leftfield-spielarten von wasauchimmer? sind in ihrer soundästhetik ganz überwiegend klar eher der vergangenheit als der zukunft zugewandt."
DIE REVOLUTION FRISST SICH SELBST.

Ich sehe das ähnlich und rekapituliere in welcher Art und Weise das Jahr 2001 auf unsere Zukunft Einfluss nahm:

2000 - DOTCOM CRASH und einhergende Desillusionierung
2001 - WAR ON TERROR und  einhergende Angstkampagnen

DANN:

Wirtschaftlicher Abschwung, Selbstbeschränkung, Ausverkauf kreativer Strukturen, Faceweb, NSA, WAR und WAR und WAR und SELBSTDARSTELLUNGSSUCHT, SELBSTDARSTELLUNGSSUCHT, SELBSTDARSTELLUNGSSUCHT, mit klick klick KICK. Seither gerieren wir uns via FACEWEB als stumpfe Abbilder der Vorbilder; ängstlich genug etwas Neues, gar eigenständiges zu wagen. 

Wirtschaftlich und politisch werden Visionen heute durch Ängste erdrückt und die Perspektiven sind düster - politisch, wirtschaftlich und kulturell.

Wo sind die Chancen, die Möglichkeiten, die Freiheit, die Kreativität, die INTIMITÄT (auch des Augenblicks) der alten Zeit, ja das versprechen der Neunziger abgeblieben? Die kulturelle Revolution (hier WEB) frisst uns und unsere Gesellschaft auf während die Zeitungen vom Fortschritt jubilieren und wir alle munter versuchen coole Fotobeweise für unser superindividuelles Profil zu produzieren. DE:BUG hat das erkannt und war als Medienformat seiner Zeit damit voraus und in einem steten Dilemma.

Mein hochgeschätzer Rainald Goetz wird in der letzten Ausgabe als Intro auf SEITE 1 wie folgt zitiert:
"Es ist ja nicht Wut, es ist Hass. Aber auch die Wut wird immer scheusslicher. Es ist nicht mehr kommunizierbar. Bei jungen Menschen ist Wut eine schöne Sache, später eigentlich nicht mehr."
Im Blog fleht mkr: "Please bring back 1997". Ich kann dich so verstehen!

Ich denke das wird für lange Zeit mein letzter Nachruf bleiben.

FCK Y!

Montag, 3. Februar 2014

Sotschi

Weil es auch für amerikanische Sportfreaks in Russland sicher sein soll, schickt Obama vorsorglich ein paar Kriegsschiffe ins schwarze Meer vor die ukrainische Küste. Was braucht man auch sonst zur Ausrichtung eines Sportereignisses unter Freunden?

http://www.spiegel.de/politik/ausland/kurz-vor-olympia-us-kriegsschiffe-treffen-im-schwarzen-meer-ein-a-950749.html

Montag, 6. Januar 2014

HEUTE: OCCUPY CAMP IN HAMBURG AUFGELÖST

Das weltweit (!) letzte Occupy Camp wurde heute nach über zwei Jahren Aktivität in Hamburg aufgelöst.

Ob diese Aktion im Zusammenhang mit der Errichtung eines Gefahrengebiets als Konsequenz eines Demonstrations-Dramas in Hamburg steht, wäre die Frage.

In einem Gefahrengebiet können ohne Anfangsverdacht Personenkontrollen durchgeführt werden. Normalerweise bedient man sich dieser Maßnahmen etwa um Bahnhöfe herum, um dort in Drogenbrennpunkten gezielte Durchsuchungen vornehmen zu können oder etwa auf Flughäfen auf die Suche nach Schmuggelware gehen zu können, ohne einen konkreten Anlass dafür zu brauchen.

Das diese Maßnahme auf einen Stadtteil angewendet wird um dessen Bürger zu kontrollieren, würde in anderer Umgebung auf bürgerkriegsähnliche Zustände schließen lassen. Dies mag ich im Fall von Hamburgs Schanzenviertel aber irgendwie nicht glauben. Sei 's drum.

Den Auftakt all dieser Aktionen bildete wohl eben genannte Demonstration gegen die Räumung der "Roten Flora", welches das älteste besetzte Gebäude Deutschlands ist.

Entgegen der Presseverlautbarungen sieht es auf Videos, die den Beginn der Auschreitungen zeigen und diverser Augenzeugenberichten folgend so aus, als ob die Polizei die Ausschreitungen provoziert hat indem Sie die Demonstration aufgehalten hat um die ersten Reihen zurückzudrängen und anschließend mit Wasserwerfern zu behandeln.

Die Reaktion der Demonstranten erfolgte natürlich prompt und im zu erwartenden, aggressiven Ausmaß. Zumindest ich als Laie hätte vorher prophezeien können wie die Aktion ausgeht. Aber sei 's drum.

Es scheint auf jeden Fall so, als ob die Stadtregierung mit hartem Kurs gegen linke Strömungen angeht. Der Grund ist mir noch schleierhaft. Vielleicht eine Frage des Egos, oder diffuser Paranoia..? Wäre ja nicht das erste mal in der Geschichte.

Wie alles Begann (Demonstration 21.12.13_15:11 Uhr):


(Die Demonstration hatte sich zu diesem Zeitpunkt 50 Meter weit bewegt)

Zu dem Video:
Ich bin einfach der Meinung, dass sich die Staatsgewalt in einem solchen Fall wie ein Babysitter verhalten muss und nicht wie ein Aggressor. Wenn die Situation nach diesem Verhalten der Polizei eskaliert, ist das deren Verantwortung und nicht die der Demonstranten (die Polizisten sind schließlich die Profis auf dem Gebiet). Die Exekutive muss hier lenkend einwirken und sich der Konsequenzen ihres Handels bewusst sein, sonst ist das ein klassischer Fall von Versagen. Was wäre passiert, wenn die Polizei den Zug einfach hätte passieren lassen.? Eben!

Interessanterweise scheint es auch polizei-intern heimliche Kritik an dieser naiven bzw. perversen Strategie zu geben (wie der verlinkte TAZ-Artikel zeigt).

Auf diesen Demonstrationsauftakt folgte bisher:

- Straßenschlachten mit hohen Sachschäden bis spät in die Nacht (Polizisten mussten mal wieder Überstunden machen)
- viele Verletzte auf beiden Seite (Polizei/Demonstranten)
- Angriff auf Polizeiwache mit Verletzten
- Errichtung eines "Gefahrengebiets" um die Davidwache
- Auflösung des Occupy Camps

.. wer konnte denn schon mit sowas rechnen? To be continued - for sure.

Verweise (dem Anlass entsprechend angemessene Ausdrucksweise ;-)):
http://www.spiegel.de/wirtschaft/occupy-camp-in-hamburg-aufgeloest-a-941991.html
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/gefahrengebiet-in-hamburg-polizei-kontrolliert-200-personen-a-941870.html
http://www.taz.de/!130045/
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-12/Rote-Flora-Hamburg-Demonstration-Bericht

Freitag, 3. Januar 2014

UPDATE ZUR VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Elmar Brok, seines Zeichens CDU-Vorstandsmitglied und Europaabgeordneter will Bulgaren und Rumänen "vorsorglich" Fingerabdrücke abnehmen lassen.

Das CDU Präsidium widerspricht diesen Plänen umgehend. Die wollen wohl ausloten, inwiefern die CDSU mit dieser Position im Europawahlkampf auf Stimmenfang gehen kann.

" Willkommen in Europa. Bitte geben Sie uns Ihre Fingerabdrücke.
JA - nur Sie."

Irgendwie abartig - das alles.

sueddeutsche.de

Donnerstag, 2. Januar 2014

DEUTSCHLAND: HEUTE / MORGEN

Ist es an der Zeit Deutschlands Identität neu zu diskutieren?

Ich habe den Eindruck, dass in wirtschaftspolitischen Fragen unabhängig von der globalen Siuation (Finazkrise, Eurokrise) tradierte Haltungen der Elterngeneration konträr zu denen der Kindergeneration stehen und sich ein Kampf um die Zukunft anbahnt.

Natürlich standen sich Eltern und deren Kinder in Ihren Haltungen schon immer nicht durchweg freundschaftlich gegenüber. Der Unterschied zeigt sich heute aber in der Härte der Auseinandersetzung und häufig in der strikten und konsequenten Verweigerung der alten Lebensweisen.

Wie sonst ist es zu erklären, dass die Bundeswehr, die Geheimdienste, Rüstungsunternehmen, die Polizei und andere Bereiche unserer Gesellschaft deren Handlungsweisen es eventuell zu hinterfragen gäbe, massive Probleme haben, schlauen Nachwuchs zu rekrutieren und entgegengesetzt dazu nachhaltige, faire, ökologische und partizipatorische Konzepte der Lebensgestaltung und des Wirtschaftens boomen wie nie.

Der Top-Ingenieur mit Stipendium interessiert sich heute ausgewiesenermaßen eher für letztgenannte Bereiche und wird - aufgrund seiner Gewissensentscheidung und weil er die Wahlfreiheit besitzt, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in erstgenannten Bereichen anheuern.

Diese Tendenz geht sogar noch weiter:

Kürzlich traf ich einen jungen Ingenieur der Fahrzeugtechnik, welchen man wohl als High Potential bezeichnen kann.

In einem unverfänglichen Gespräch über dies und das weigerte er sich erst, in loser Runde seinen Arbeitgeber zu nennen. Nach Einsatz einiger Überredungskunst, rückte er schlussendlich damit raus, dass er an Antrieben für Fahrzeuge von Audi - vornehmlich derer der Q-Serie - arbeitet. Gerade weil er so hochintelligent ist, hat er - bezüglich seiner Arbeit - einen großen Gewissenskonflikt mit sich selbst auszutragen. Sein Dilemma: Sein Job ist technisch anspruchsvoll und im Grunde das was er sucht aber ökologisch rückwärtsgewandt. Falls nun gemutmaßt wird, dass es sich dabei um eine Runde grüner Fundamentalisten gehandelt hat, kann ich sagen, dass dem nicht so war.

Natürlich ist dieses Beispiel heute noch nicht allgemeingültig. Noch vor 5 Jahren wäre eine solche Stellung allerdings mit Sicherheit auch für angesprochenen Ingenieur ausschließlich mit großem Stolz und nicht mit Zweifeln verbunden gewesen. Schließlich handelt es sich hier um das das Premiumprodukt der Fahrzeugtechnologie im Hause Audi.

Natürlich wurde der Grundstein zu dieser Entwicklung in den 70ern bzw. 80ern gelegt. Heute haben Konzepte zu nachhaltigem, verantwortungsvollen Wirtschaften aber wie selbstverständlich Einzug in unsere urbane Lebensräume gefunden, was zu kritischer Auseinandersetzung mit unseren Gewohnheiten und Werten führt

Der Schlagabtausch zu Themen wie Nachhaltigkeit, ethischer und sozialer Verantwortung und zugehöriger Themen wird sich noch immens verschärfen auch weil Widersprüche die sich aus unserer Lebensweise ergeben immer deutlicher Zutage treten. Sofern es die wirtschaftliche Situation weiter zulässt, kann man also annehmen, dass die Gruppe der hochintelligenten sich zunehmend gegen die Argumente der Eltern stellen wird und für eine andere Lebensweise eintreten wird.

Vergleicht man die Tendenzen der führenden Wirtschaftsnationen, wird deutlich, dass dieses "neue" Bewusstsein in Deutschland besonders ausgeprägt ist. Man könnte diese Tendenz also als Standortvorteil werten, wenn man diesen nutzbar machen wollte.

Da die Generation der High-Potentials und des Mittelstands die eigene Haltung (sofern sie sich dieser angenommen haben) nicht als Job betrachtet, sondern als Lebensmodell, welches es zu entwickeln gilt, schätze ich das Potential für Innovation in dieser Schicht und die Resistenz sich in das Modell eingreifen zu lassen als überproportional hoch ein. Leider wird dieses Potential derzeit polititsch wie wirtschaftlich nur unzureichend gefördert und oft sogar ausgebremst anstatt es freizusetzen.

Aufgrund fehlender Teilhabemöglichkeiten und Gestaltungsfreiheiten und einer gefühlten Ohnmacht gegenüber den Verhältnissen sinkt auch die Identifikation mit Deutschland als Staat und die Bereitschaft zur konstruktiven Teilhabe in dieser wichtigen Gruppe von Innovationsträgern dramatisch.

Da aber genau die Teilhabe der High-Potentials an der erfolgreichen Gestaltung der Zukunft für dieses Land unerlässlich ist, stellt sich mir die Frage der Notwendigkeit einer öffentlichen Diskussion ob der Indentität Deutschlands - heute wie in Zukunft.

Montag, 30. Dezember 2013

TENDENZEN II

Schüsse mit zwei Kalaschnikow-Sturmgewehren auf das Haus des deutschen Botschafters in Athen. Niemand wurde verletzt.

Schon im Jahr 1999 gab es einen Anschlag auf die deutsche Botschaft in Athen.

tagesschau.de

Sonntag, 29. Dezember 2013

TENDENZEN

Unschöne Tendenzen im Kampf um ein autonomes Zentrum in Hamburg. Eine Gruppe linker Autonomer greift gezielt eine Polizisten an.

Schon im Jahr 2009 gab es einen ähnlichen Fall in Hamburg, bei dem es allerdings noch um Gewalt gegen Fahrzeuge auf dem Parkplatz einer Polizeiwache ging. Der Vorfall heute erreicht da schon eine andere Dimension.


Links:
Vermummte verletzen Hamburger Polizisten schwer
Angriff auf Polizei und Zoll

Freitag, 27. Dezember 2013

WELCOME TO THE FUTURE.

Hey! Der Spiegel schreibt heute von giftigem Smog, der griechische Großstädte vernebelt. Der Smog kommt von Feuern, mit denen die Griechen ihre Wohnungen heizen. Der Grund: Sie können sich kein Heizöl mehr leisten.

Wir reden hier von Städten wie Thessaloniki und Athen, also nicht irgendwelchen Hinterwäldlerregionen.

Interessant: Während eines Abstechers in Albanien, durften wir in diesem Jahr ähnliche Szenen beobachten. In Albanien verheizt man so ziemlich alles, weil das Land generell große Entwicklungsdefizite aufweißt. So gibt es zum einen große Probleme mit der Stromversorgung und zum anderen beispielsweise keine Mülldeponien, weshalb man kurzerhand vieles im Vorgarten verbrennt oder eben zum Heizen verwendet.

Als ich die griechischen Fotos sah, dachte ich spontan an Albanien. Dort sah man übrigens oft keine hundert Meter auf den Straßen, weil alles vernebelt war.

Der Unterschied (zumindest dachte ich es gäbe ihn) zwischen den beiden Ländern: Im Human Development Index der Vereinten Nationen von 2012 findet sich Griechenland auf Platz 29 der Rangliste und Albanien auf Platz 70.

Um ein Gefühl für das Ranking zu bekommen: Im Feld von Albanien tummeln sich Länder wie Kasachstan oder der Libanon. Um die Griechen herum Länder wie Italien, Luxemburg oder das Vereinigte Königreich.

Für uns Deutsche ist das alles natürlich halb so wild.

Erstens sind die Griechen natürlich selbst schuld. Zweitens wird uns diese Zukunft in Deutschland natürlich auf keinen Fall ereilen.

Happy New Year.!

zum Bericht

Mittwoch, 25. Dezember 2013

INNOVATION: ELEKTROMOBILITÄT

Einige Gedanken zur Elektromobilität in Fahrzeugen als Ersatz des Verbrennungsmotors im Allgemeinen und dessen Konzept als Besitzstandswahrung der Automobilindustrie im Besonderen. Die Fakten müssten nachgereicht werden.

Punkt 1: Ökobilanz des Herstellungsprozesses und Nachhaltigkeit betrachten.

Der Energiespeicher von Elektroautos basiert auf Lithiumakkus, wie man sie auch aus dem Notebook oder Tablet kennt. Die Innovation im Automobilbau:

Viele Akkus zu einem großen Akkupaket zusammenkleben.

Man kennt das Verfahren seit Jahrzehnten aus dem Modellbau, wo Kinder Ihre kleinen Rennflitzer mit solchen Akkupacks (denglisch) betreiben.

Das Problem: Die Herstellung der Akkus erfordert hohe Energiezufuhr und Lithium als Rohstoff.  Lithium ist schon heute nur begrenzt verfügbar und dürfte bei rasant steigender Nachfrage nicht im gewünschten Umfang zur Verfügung stehen. Weiter kann man vermutlich davon ausgehen, dass die Akkus (dem Notebook-Akku folgend) nicht ewig halten und nach einer gewissen Betriebszeit ausgetauscht werden müssten. Was sie bis dahin an Emissionen gespart haben, wird vermutlich spätestens beim Akkutausch wieder reingeholt. Beim Austausch werden schließlich wieder Resourcen für das neue Akkupack verbraucht.

Ich gehe davon aus, dass das Elektroauto im Produktionsprozess mehr Resourcen verschlingt als ein konventionelles Auto. Wenn man die nötigen Resourcen in einem Vergleich in ihrer Wertigkeit und Verfügbarkeit gewichtet, sollte das Ergebnis eigentlich noch schlechter ausfallen.

Punkt 2: Energieversorgung im Betrieb.

Durch die Energiewende wird zum Beispiel in Deutschland für die Grundlastversorgung von Strom auf Kohlekraftwerke als Energieträger gesetzt. Das Kohlekraftwerke alles andere als umweltschonend bezeichnet werden können steht ausser Frage. Um das Auto aufzuladen müssen wir also den Grill anheizen. Sauber, sog I ned.

Punkt 3: Individualverkehrskonzepte in Ballungszentren.

Wenn man sich die Verkehrsentwicklung in Metropolregionen und Mittelzentren anschaut, ist es alles andere als schlau, weiter auf Individualkonzepte zur Fortbewegung zu setzen. Zumindest wenn sie hohen Flächen- und Energiebedarf haben, wie dies beim Auto der Fall ist.  Beides ist schließlich eher Mangelware.

Die Zukunft der Fortbewegung in solchen Umgebungen kann nur aus vernetzten Strukturen, geteilten Resourcen und Mobilitätskonzepten in Gemeinschaftsnutzung bestehen. Andere Konzepte als smart (ha ha ha!) zu bezeichnen ist lächerlich - wobei Mercedes zumindest mal über den Flächenbedarf nachgedacht hat.

Ist es schlau für jeden Bewohner eines solchen Zentrums einen Haufen Blech und Elektronik zur Verfügung zu stellen, der ihn von A nach B bringt, wenn kein Platz zur Lagerung derselbigen, begrenzte Resourcen zum Antrieb und keine weiteren Infrastrukturen (bzw. nur unter immensem Aufwand) zum Betrieb der Einheiten bei steigender Nachfrage implementierbar sind? Um das zu verdeutlichen:

Ist es schlau mehr Parkplätze, breitere Straßen, mehr Tunnels in einem eh schon totverdichteten Metropolraum zu bauen und mehr Resourcen für Bereitstellung und Betrieb von Mobilitätseinheiten zu verschleudern oder darüber nachzudenken, wie man die verfügbaren Resourcen möglichst effizient für alle nutzbar machen kann und die Produktivität unserer Verkehrsinfrastruktur durch andere Ansätze eklatant zu steigern?

Ein Interesse an Indivudalkonzepten können heute eigentlich nur noch deren Nutznießer haben: Das sind die Automobilkonzerne, deren Geschäftsmodell darauf beruht große Stückzahlen von Automobilen an Einzelverbraucher zu verkaufen.

Das dieses Konzept in unseren Megacities die Zukunft der Mobilität sein soll, sollte man eigentlich niemanden ernsthaft erzählen können ohne lautstarkes Gelächter zu ernten. Genau diese Umgebungen, sind aber das erklärte Einsatzziel der Elektroautos. Langstrecke können die schließlich nicht.

Würde man eine volkswirtschaftliche Kosten- / Nutzenrechnung zum Thema Private- vs. Publictransport in Megacities anstellen, dürfte das Ergebnis mehr als deutlich ausfallen.

In meinen Augen wären das die Themen der Zukunft, denen sich die deutsche Industrie stellen sollte um Innovation hervorzubringen und Vorreiter zu bleiben bzw. zu werden. Früher oder später würden alle Industrie- und Schwellenländer vor unserer Türe stehen um von solchen Lösungen zu profitieren.

Das Konzept eines Fahrzeugs das Treibstoff verbrennt um einen einzelnen Menschen fortzubewegen ist schon heute 100 Jahre alt. Da hilft auch der Einbau einer Batterie und die moderne Verpackung nichts.

Das sich die Rahmenbedingungen für Mobilität in diesem Zeitraum signifikant verändert haben, scheint irgendwie niemanden zu interessieren.

Wir haben in unseren Ballungszentren immer weniger Verkehrsfläche je Teilnehmer und Energie wird teurer - lassen Sie uns auf Basis dieser Nachteile Innovation generieren.

Fortschritt? Wem will man das ernsthaft erzählen?

Die Öffnung zu solchen Themen hin wird von den Profiteuren bzw. Verfechtern der Individualmobilität vermutlich verhindert. Und das ist leider genau das Gegenteil von Fortschritt und Innovation - auch wenn man versucht es als solche aussehen zu lassen.

--

p.s. Ich bin nicht der Meinung das Autos sofort verboten werden sollten oder Elektroautos nicht auf den Markt kommen sollten, denke aber das man sich ernsthaft den tatsächlichen Zukunftsfragen stellen könnte. Dort liegt schließlich auch der wirtschaftliche Gewinn und die Jobs von morgen.


Montag, 25. November 2013

SICHERHEITSPOLITIK INNOVATIV

In Bayern ist man der Zeit mal wieder voraus was innovative Stasimethoden (oder sagt man mittlerweile NSA?) angeht.

Eine Klage eines Informatikers gegen den automatischen Abgleich der Kennzeichenüberwachung mit Fahndungsdateien, wegen des Eingriffs in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung wurde vom bayerischen Verwaltungsgericht abgewiesen. Damit wird das Vorgehen der anlasslosen Überwachung jedes Verkehrsteilnehmers vom Gericht gedeckt.

Einen positiven Nebeneffekt hat die Überwachung aller Verkehrsteilnehmer auch bei Demonstrationen, weil sie gegebenenfalls abschreckend auf potentielle Teilnehmer wirkt. Laut eines "Landesvertreters"  sei es geplant, dass eine Nummernschilderkennung "im Vorfeld einer Versammlung die Entscheidung über die Teilnahme an dieser beeinflussen kann"... und so unsere Grundrechte beschneidet.

Wunderbar, das!

Link zu Heise

Freitag, 15. November 2013

PRÄVENTIVE BESTRAFUNG..

.. der Münchner Führerscheinstelle sei dank.

Aus dem Spiegel:
"Wer gelegentlich einen Joint raucht und ein Bier dazu trinkt, sollte sich dabei nach Möglichkeit nicht von einem Ordnungshüter beobachten lassen. Denn in solchen Fällen könnte er seinen Führerschein verlieren, selbst wenn er sich noch nie berauscht ans Steuer gesetzt hat. "

Welch schwachsinnige Bürokraten verrichten da eigentlich ihren Dienst? Andererseits: Was erwartet man für eine Drogenpolitik in einem Land, in dem ein Verkehrsminister mit 1,75 Promille Alkohol im Blut andere Leute tot fährt.



Darauf ein Prosit!

Zum Artikel


Mittwoch, 9. Oktober 2013

KÖNNEN SIE DAS VERSTEHEN?

Der Spiegel schreibt, dass jeder sechste Deutsche laut neuester OECD-Studie auf den Niveau eines 10-jährigen liest. Beim verstehen und interpretieren des mühsam entzifferten sind die Deutschen wohl eher unterdurchschnittlich talentiert.


Folglich werde ich versuchen, mich zukünftig eher auf Bildinhalte zu konzentrieren.


Zumindest sind hiesige Schreibfehler bis in alle Ewigkeit entschuldigt.